Ver-wirklich-en

Wir reden insgesamt schon ziemlich viel über Selbstverwirklichung. Das ist grundsätzlich nichts schlechtes. Ich habe aber das Gefühl, dass viele Menschen garnicht wissen, was in diesem Wort „verwirklichen“ steckt. Grundsätzlich drei Teile „Ver“ – „wirklich“ – „en“.

Verwirklichen. Mich verwirklichen. Das bedeutet: mich ins Sein setzen. Oder besser: mich umsetzen. Das Realität werden lassen, was mich ausmacht, antreibt, mir wichtig ist. In Kirchenkreisen wird dieses Wort – besonders für kirchliche Mitarbeiter – oft negativ co-notiert: „Der will sich nur verwirklichen.“

Über Jahre bin ich diesem Trugschluss auch erlegen. In letzter Zeit wird mir aber mehr und mehr klar: Das ist falsch. Verwirklichung ist ein wichtiges Tun von uns Menschen. Der Gedanke: Wir sind Abbild Gottes. Gott ist Schöpfer. Wir sollen schöpferisch sein. Oder kreativ. Verwirklichung hat viel mit Kreativität zu tun. Dinge ins Sein setzen. Man muss dafür nicht malen oder Skulpturen erstellen. Auch soziales Engagement oder einfaches Handwerk ist kreativ im weiten Sinn. Menschliche Verwirklichung ist also ein wichtiger Teil von uns.

Um uns aber verwirklichen zu können. Oder besser, um zu verwirklichen was in uns ist, müssen wir uns selbst entdecken: Unsere Identität. Fragen die Helfen können sind: Wer bin ich? Was erfüllt mich? Was kann ich? Was kann ich nicht? Für gläubige: Was glaube ich? Oder Wem vertraue ich?

Wenn wir anfangen diese Fragen zu beantworten, merken wir, wie wir eine innere Quelle der Lebendigkeit erschließen. Freude, Kraft, Motivation. Das alles wird uns dann geschenkt.

Verwirklichung ist wichtig. Sie setzt ins Sein, wer wir sind.

Das ist übrigens auch was Jesus macht: Menschen helfen ihre Identität zu finden und zu leben. Er weckt was in uns da ist. Er bricht die Mauern unserer Angst auf. Er macht uns zu mehr als wir uns im ersten Moment zutrauen.

„Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“