Augen auf

Unsere Wahrnehmung kann uns Menschen manchmal trügen.
Was wir meinen zu sehen, ist manchmal nicht das, was wirklich da war oder ist. Nach Unfällen und Verbrechen beispielsweise haben die Zeugen oft unterschiedliches gesehen. Manchmal standen sie einfach nur ein paar Meter voneinander entfernt.

Woran das liegt?
Oft wird das was wir sehen von unseren Erwartungen, Vorstellungen und Vorurteilen überlagert. Wir sind dann der Überzeugung, dass etwas so geschehen ist, obwohl das eigentlich nicht stimmt.

Im Glauben kann das ähnlich sein.
Auch hier müssen wir richtig hinsehen. Wenn wir das nicht machen und einfach unsere Vorstellungen weiterfahren; wenn wir unsere Glaubensvorstellungen nie hinterfragen, dann besteht die Gefahr absolut in den eigenen Überzeugungen zu werden.
Damit ist natürlich nicht gemeint, dass wir andauernd unsere Glaubensüberzeugungen über Bord werfen müssen. Es geht um die Frage, wie wir mit Anfragen an unseren Glauben umgehen:
Sehe ich sie als böswillige Angriffe, oder als Chance im eigenen Glauben zu wachsen? Kann ich zuhören und auch kritische Fragen annehmen, oder mache ich einfach dicht.

Die Pharisäer aus den Evangelien sind manchmal die, die einfach dicht machen. Die, die meinen, dass sie Sehende wären. Jesus macht aber immer wieder klar: Die wirklich Sehenden/Glaubenden, dass sind die Demütigen, die wissen, dass Gott immer größer ist als unsere Vorstellungen.

Zu glauben ist nicht einfach starr, sondern ein dynamisches Ringen mit und um Gott. Das ist zugleich erleichternd und herausfordernd.

Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.

Johannes 9,39