„Was ich nicht sehe …“

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Ich habe mit vielen Menschen Gespräche geführt. Naturgemäß kommt dann immer wieder das Thema Glauben auf den Tisch. Das liegt nahe, wenn man mal einen „Berufs-Christen“ vor der Nase hat. Und ich gestehe: Ich liebe solche Gespräche. Grade und besonders die, die kontrovers, leidenschaftlich und einigermaßen klug sind. Die „Heile-Welt-und-wir-dürfen-nicht-streiten“-Mentalität mancher Christen liegt mir fern. Diskussion und Streit mit Anstand und Respekt sind super. Mir machen sie richtig Spaß.

Ein Gedanke, der bei vielen nicht-religiösen Menschen auftaucht und implizit oder explizit kommuniziert wird, ist der, dass man nur annehmen könne, was man wahrnehmen kann. Klingt im ersten Moment auch logisch und richtig. Wenn es da nicht das große ABER gäbe…

Was sind denn die Dinge, die im Leben am wertvollsten sind?
Wie beantworten Sie die Frage?
Sicher sind die wichtigsten Dinge nicht greifbar.
Ich selbst würde sagen: Glaube, Liebe, Freundschaft, Erfüllung
Das sähe bei Ihnen sicher ähnlich aus, auch wenn Sie es eventuell konkret machen und sagen: meine Kinder. Damit meint man aber nicht: der Köper, den ich sehe, sondern meine liebevolle Beziehung zu.

Auch wenn es wichtig ist, dass wahrzunehmen, zu verstehen und mit dem umgehen zu können, was wir sehen, ist das Nicht-zu-Sehende eine Realität. Wir können unsere Welt nicht nur auf Sichtbares reduzieren.

„Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe
und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel
und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich nicht.“

– Johannes 20,25 –

Vieles, was wirklich wichtig ist, können wir nicht greifen. Es liegt aber scheinbar in unserer Natur. Das verdeutlicht Thomas. Er will die Auferstehung „begreifen“ – im wahrsten Sinn des Wortes.
Wenn wir ehrlich sind: Wer nicht?
Wenn ich die Chance hätte … Ja … ich würde den unumstößlichen Beweis nehmen. Aber …
Was ist danach?
Bin ich dann wirklich sicher und zweifelsfrei?

Ich glaube danach kämen einfach andere Fragen:
Was, wenn es einfach ein Trick war?
Wenn mich wer verarscht?

Was wichtig ist, ist nicht zu greifen.
So ist das auch beim Glauben.
Im Kern ist er nämlich ein Vertrauen in Gott.
Ein Vertrauen auf den, der das Leben schuf, erlöst und erhält.
Und Vertrauen, dass kann man nicht mit Beweisen fest machen.
Vertrauen wird stärker, wenn man das Gegenüber (in diesem Fall Gott) kennenlernt, in Beziehung bleibt und auch über Zweifel spricht.
Glaube – diese Vertrauensbeziehung – wächst im offenen und ehrlichen Miteinander von Gott und Mensch.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

– Johannes 20,29 –