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Bild. F. Hoffmann – Titel: Binärcode von „Gott“

„Das Internet ist für uns alle Neuland“
So, oder so ähnlich hat es unsere Bundeskanzlerin vor wenigen Jahren gesagt. Wie viele andere Menschen musste auch ich lachen. Mit 33 Jahren gehöre ich zu der Generation, die zwar nicht digital aufgewachsen ist, aber noch in Jugendzeiten damit in Kontakt kam. Auch für mich gehören Tablet, Smartphone und das Internet selbstverständlich zu meinem Alltag. „Neuland“? Nein.

Mir wird mit den Jahren aber auch bewusst: In Deutschland wird der digitale Raum oft wie etwas Minderwertiges betrachtet oder einfach ignoriert. Kleine Beträge mit Karte zahlen zu wollen ist -vor allem in der Provinz- immer noch exotisch, Video-Konferenzen in Coronazeiten unglaublich innovativ und neu, digitale Unterhaltung für überraschend viele immer noch etwas nerdiges.

Woher das kommt? Ich hab keine Ahnung.
Andere Regionen der Welt gehen mit der Digitalisierung – nicht nur auf politischer Ebene – anders um. Es geht also scheinbar. Vielleicht ist es eine gewisse Vorsicht, die das neue nicht nutzen will, oder zumindest die Bescheinigung braucht, dass es nicht gefährlich ist.
Mit was für einer Lust Medien und Digitalisierungskritiker Studien über Computerspiele- und Internetsucht zitieren.
Ich persönlich finde das abstrus.

Wie jede Technik und jedes Medium birgt auch der digitale Raum gefahren. Betrug, Sucht und Fehlinformation finden auch dort ihren Platz. Allerdings ist es auch bei anderen Medien so gewesen, dass von Verdummung und Lebensflucht geredet wurde.Übrigens beim Buch, dass heute das Bildungsmedium ist.
Was leider vergessen wird: der digitale Raum bietet Potential.
Demokratisierte Kommunikation gibt jedem eine Stimme.
Die Chance auf verfügbares Wissen kann Bildungschancen verbessern.
Streams und Spiele sind moderne Formen des Narrativs.

Ich möchte allen Mut machen dieses Land zu erforschen, denn ein großer Teil der Welt lebt selbstverständlich in ihm.
Besonders sollte die Kirche Heimat in den verschiedenen digitalen Welten finden. Die Zeiten passiver Websites ist vorbei, das Internet ist divers geworden und nicht nur eine Ablenkung. Es ist kein „trauriger Abklatsch der echten Welt“, sondern ein kreativer Raum. In sozialen Netzwerken und auch in Online-Games sind Menschen unterwegs. Menschen, die wir dort erreichen können. Denen wir beistehen können wenn es ihnen schlecht geht und deren Erfolge wir mitfeiern dürfen.

Man darf die analoge Welt über die digitale nicht vergessen.
Man darf aber auch die Menschen nicht vergessen, die in der digitalen Welt unterwegs sind. Gott ist ein Gott der ganzen Schöpfung, auch des Teils der Schöpfung, die wir – als Mitschöpfer – geschaffen haben.

Wer weiß.
Vielleicht können wir Gott sogar dort erfahren.
Oder Menschen helfen Zugang zu bekommen.
Oder ihren persönlichen Glauben zu vertiefen.

„Der Herr ist ein ewiger Gott, der die Enden der Erde erschuf.“

– Jesaja 40,28 –