„Je schneller, desto besser?!“ – auf der Suche nach Geduld und Vernunft

Bild: unsplash/Djim Loic

Man hört es immer wieder: „Wir leben in schnelllebigen Zeiten!“
Ehrlich gesagt hat dieser Satz schon kaum noch eine Bedeutung für mich, weil es so oft in den Raum gestellt wird. Ein bisschen klingt er auch wie die Klagen der älteren Generation, ohne sie damit bewerten zu wollen.

Aber: An dieser Aussage ist viel dran.
In vielen Bereichen haben wir eine Beschleunigung.
Digitale Kommunikation ist schnell.
Lieferungen übers Netz sind schnell.
Man könnte noch mehr aufführen.
Wie vieles ist das erstmal recht wertneutral.

Aber es stecken auch Tücken dahinter. Denn je höher die Geschwindigkeiten und je kürzer die Reaktionszeiten werden, desto mehr fließt diese Unmittelbarkeit in unser alltägliches Denken ein. Aus den schnellen Antwortmöglichkeiten der digitalen Kommunikation wird die Erwartung, dass immer sofort geantwortet wird. Die schnelle Lieferung von Waren aus dem Netz führt zu Ungeduld. Alles, immer und sofort. Ist das gut?

Ich bin seit ca. 10 Jahren Seelsorger und arbeite viel mit Kindern und Jugendlichen. Zwei Gruppen von Menschen, die anfälliger sind für die Einflüsse unterschwelliger gesellschaftlicher Erwartungen. Diese werden über Eltern, Schule, Peergroup, aber auch über mediale Standards gesetzt. Wenn ich nie Entschleunigung, Langsamkeit oder Ruhe erlebe, dann kann ich damit nicht umgehen. Ruhe und Stille sind dann nicht mehr gesunde Langeweile, sondern bedrohliche Stille, die kaum zu ertragen ist.

Auch bei der Meinungsbildung ist Schnelligkeit wenig hilfreich.
Auf jedes Ereignis folgen Demonstrationen, simple Social-Media-Kampagnen und andere Symbolakte. An sich gut. Nur leider oft Folgenlos. Ja, es werden so Zeichen gesetzt, aber nach wenigen Wochen sind die Zeichen verschwunden und das Thema verschwindet aus den Köpfen. Es war am Ende ein Strohfeuer, dass nicht wirklich geholfen hat.

Darum bin ich für mehr Langsamkeit.
Sich Zeit und Ruhe nehmen.
Für sich selbst, um sich zu reflektieren.
Für das was in der Welt passiert, um echte Lösungen zu suchen.
Für Glauben und Spiritualität, um ein Maß außerhalb des Ich zu haben.

Schnelle Reaktion ist manchmal gut.
Aber sie kann unser Leben auch auf vielen Ebenen verflachen.
In die Tiefe unseres Seins kommen wir aber nur wenn wir stehen bleiben und in alle Richtungen und in uns schauen.

„Da zog der Herr vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss
und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus.
Doch der Herr war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der Herr war nicht im Erdbeben.
Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der Herr war nicht im Feuer.

Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

– erstes Buch der Könige 19,11.12 –