„Finger weg …“ – von der Sehnsucht nach Berührung

Bild: unsplash/Anastasia Vityukova

Jeder Mensch hat sein eigenes individuelles Empfinden von Nähe und Distanz. Der Eine ist eher der Typ „eine Verneigung reicht aus“, die Andere lebt nach dem Motto „Wer nicht umarmt ist, wurde nicht begrüßt.“ Wir alle finden uns irgendwo in diesem Spektrum wieder.

Im Alltag kann diese Unterschiedlichkeit zu lustigen Situationen führen. Beispielsweise, wenn ein Distanz-Typ eigentlich nur die Hand geben will, der Nähe-Typ das aber missversteht und es zur Umarmung kommt. Unangenehm. Oft für beide.

Aber selbst wenn wir das mitbedenken: Umarmungen sind notwendig und tun uns oft gut. Ein Alltag ganz ohne Berührung möchte ich mir zumindest nicht vorstellen.

„Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr.“

– Matthäus 8,15 –

Auch in den Evangelium spielen Berührungen eine wichtige Rolle. Oft kommt Heil und Heilung durch eine Berührung Jesu zustande. Auch wenn klar ist, dass das Heil, dass von Jesus kommt eine besondere Qualität hat, sagt es etwas über die Chancen von Berührungen aus.
Sie können heilsam sein. Sie können bestärken. Sie können Freundschaft ausdrücken. Sie können Liebe verkörpern.

Wenn diese Form von Nähe und Kontakt derzeit nicht mehr gehen, kann das für viele Menschen ein Problem sein. Wenn Trost fleischlos bleibt, Beistand kontaktlos, usw.
Es bleibt ein Loch, eine Fehlstelle.

Kann man da nichts machen?
Gibt es keinen Ersatz?
Ich würde sagen: Nein.
Und wir sollten lernen das auszuhalten.
Denn ein Ersatz kann den Wert des eigentlichen nicht gut machen.
Aber kreative Wege sind möglich.
Wie beispielsweise Bilder aus einem Seniorenheim, die ich gesehen habe. Eine Schutzplane mit geschützten Armlöchern. Damit Besucher die Bewohnter umarmen können und ein – wenn auch durch Folie begrenzter – Kontakt möglich ist.

Wir sehnen uns nach Berührung.
Nach der Berührung der Menschen auf unserer Haut.
Nach der Berührung Gottes in unserer Seele.