„Komm runter …“ – vom Heiligen Zorn

Bild: unsplash/Heather Edwards

Mir begegnet immer wieder eine spannende Haltung:
Menschen die extrem ausgleiche wollen und für alles Verständnis haben. Eine Sache die grundsätzlich nichts schlechtes ist. Ausgleichen zwischen Menschen, dass kann ja zu mehr Frieden führen. Verständnis für das Verhalten anderer haben, dass ist ja ne gute Sache.

Aber, und das müsste ein großes aber sein.
ABER, manchmal ist die Sache etwas komplexer, als dass man um „des lieben Friedens willen“ einfach drüber gehen kann.
Keine Angst, ich denke nicht, dass wir jede Emotion immer voll ausleben sollen. Auch andere Extreme halte ich für fragwürdig.
Aber extremes Verständnis für alle und jeden und alles … ahhhh, das kann schwierig werden. Vor allem, wenn es Gründe, Emotionen und Argumente anderer relativiert oder negiert.

Mir geht es nicht um Demonstranten irgendwelcher Parteiungen oder um Verschwörungstheoretiker oder ähnliches. Das einzuordnen ist jedem selbst überlassen. Mir geht es um uns als die Verständnisvollen und Vermittelnden und um uns auf der anderen Seite.

Dass wir als Menschen auf Situationen und Verhaltensweisen emotional reagieren ist keine große Weisheit. Das kennen wir alle. Wenn wir uns über langsame Autofahrer aufregen oder etwas nicht so geht wie wir es für richtig halten. Je nach Temperament regen wir uns auf. Das ist … normal!
Manchmal regen wir uns mehr auf. Oft, wenn es ne Sache ist, die uns besonders am Herzen liegt. Auch das ist normal. Selten regen wir uns dann bis zu einem unnormalen Punkt auf. Da ist es gut verständnisvolle und friedenstiftende Menschen haben.

Was aber, wenn wir uns über Missstände und Unrecht aufregen; als „Opfer“? Wenn dann jemand relativiert ist das nicht hilfreich und sogar bedenklich. Es kann rüber kommen als wolle das Gegenüber um jeden Preis einen scheinbaren Frieden erhalten. Ob Menschen darunter leiden oder nicht, wird hingenommen.
Das ist wenig menschlich und auch wenig christlich.

In jener Zeit
begann Jesus den Städten,
in denen er die meisten Wunder getan hatte,
Vorwürfe zu machen,
weil sie sich nicht bekehrt hatten:

Bei Jesus sehen wir in der Heiligen Schrift ab und an den „Heiligen Zorn“ aufflackern. Es ist nicht das Grundmotiv seines sein und es ist nicht böse. Wenn Jesus realisiert, dass der Mensch schlechtes erleidet, beispielsweise im Tod oder – wie hier – im ignorieren der notwendigen Umkehr, dann ist so etwas wie Trauer oder Zorn zu erkennen.
Für mich der Hinweis dafür, dass auch unsere persönliche Wut – wenn sie gerecht und angemessen ist – erlaubt ist. Sie zu unterdrücken wäre auch ungesund.

Wir müssen uns aber klar machen wie wir damit umgehen.
Zügellose und ungerechte Wut ist weder für uns noch für Andere etwas Gutes. Sich über eine Situation aber aufzuregen, dass ist manchmal nötig. Sich Frust vom Leib reden und Unmut aussprechen hilft.
Das kann aber nicht das Ende sein. Denn wenn der Missstand bleibt, bleibt auch der Zorn und wächst … und wird zum Problem.
Wir müssen Wege suchen die Situation zu ändern. Indem wir das Problem ansprechen, Konflikte lösen und wo das nicht geht Distanz suchen. Das zeigt sich dann je nach Situation unterschiedlich.

Unsere Emotionen haben ihren Sinn.
Wir sollten sie bewusst wahrnehmen, auch wenn sie negativ sind.
Sie dürfen auch angemessenen Raum bekommen.
Handeln ist dann unsere Aufgabe mit Blick auf den Ursprung dieser Emotionen.