„Hau ab …“ – vom rechten Zeitpunkt

Bild: unsplash/Hello I‘m Nik

Für manche Dinge braucht es den richtigen Moment.
Eine Hochzeitsantrag beim ersten Date ist zu früh.
Versöhnung nach Jahren ist recht spät.
Den richtigen Punkt treffen. Das ist manchmal garnicht so leicht.

Über den richtigen Moment oder den richtigen Zeitpunkt denk zumindest ich im Alltag nicht andauernd nach. Ganz oft passiert das aus dem Bauch heraus. Grade bei eher unwichtigen Dingen fehlt auch die Zeit. Gut, dass der innere Autopilot da übernimmt.
Genau der kann aber auch eine Gefahr werden. Denn er kennt vor allem eine Richtung: grade aus. Das alltägliche „immer weiter“ ist seine Stärke. Das Gleichbleibenden ist seine Handschrift.

Wenn man das realisiert ist es Zeit auf die Bremse zu treten und sich zu fragen, ob man das in allen Lebensbereichen will.
Soll es so weiter gehen, wie es läuft?
Bin ich mit mir zufrieden?
Führe ich ein sinnvolles und erfülltes Leben?

Wenn ich auch nur eine dieser Fragen mit „Nein“ beantworte, ist es Zeit, etwas zu ändern. Dann ist der Moment gekommen.
Was dann zu tun ist, muss nicht immer groß sein. Manchmal reichen kleinere Veränderungen im Alltag. Sich jeden Tag 20 min Ruhe zu gönnen um Stress abzubauen. Sich einen Kalender kaufen um effektiver zu arbeiten und Zeit für die Familie zu haben und vieles mehr.

Auch große Dinge brauchen ihren richtigen Moment.
Man kann weder aus dem eigenen Bauchgefühl raus – ohne Rücksicht auf die Anderen – einfach machen was man will, noch sollte man wichtige Dinge bis in alle Ewigkeit aufschieben.

Wir sollten uns und den anderen Menschen treu sein.
Das ist nicht immer leicht und braucht Abwägung.
Aber beide Perspektiven sind wichtig.

Was ist jetzt der richtige Zeitpunkt?
Genau genommen … gibt es ihn nicht so simpel definiert.
Er hängt an den Umständen und an eigenen Wünschen.
Er hängt an Persönlichkeit und Chancen.
Er braucht das Bewusstsein dafür, dass man nicht alles berücksichtigen kann.
Wir brauchen Mut, Entschlossenheit und eine „Stehen zu uns selbst“.
Dann finden wir den Zeitpunkt der – so gut es eben geht – passt.

„Als Jesus das erfuhr, ging er von dort weg.
Viele folgten ihm, und er heilte alle Kranken.“

– Matthäusevangelium –

Jesus selbst hatte ein Gespür dafür wann es Zeit ist zu gehen, zu heilen, zu predigen und auch für seinen Emotionen. Er musst Erwartungen enttäuschen, enge Bilder sprengen und so den Blick auf ein Mehr richten.
Mir verdeutlicht das, dass der rechte Moment auch nicht reibungslos ist. Das hat m.E. mit der Unterschiedlichkeit von uns Menschen zu tun. Reibung und Widerstand gehören dazu; sie dürfen aber nicht zum Grund für Starre werden.