„Damit muss man leben …“ – vom Aushalten der Anderen

Bild: unsplash/Franscesco Gallarotti

Wer hat ihn nicht: den einen Kollegen/Bekannten/Kunden/… der einem so richtig auf die Nerven geht. Vielleicht ist es die Stimme oder die Art, eventuell die vertretene Position oder man kann es nicht in Worte fassen. Eins steht aber fest: Er/Sie ist anstrengend.

Warum gibt es aber bestimmte Positionen oder Eigenheiten, die uns mehr aufregen als andere? Klar. Jeder hat seine Ecken und Kanten. Jeder Mensch hat Eigenheiten, die andere aufregen könnten. Trotzdem sind es nur manche, die es schaffen „die richtigen Knöpfe zu drücken“. Sie machen das oft nicht bewusst, aber trotzdem kann das sehr effektiv sein.

Wenn ich mir diese Situationen und Menschen anschaue und ehrlich darüber nachdenke, dann fallen mir zwei Gründe auf. Der eine ist sehr logisch: Wenn es um eine Sache/Haltung geht, die mir wichtig ist und um die ich mich mühe. Wenn jemand dauernd zu spät kommt beispielsweise oder – im Beruf – den Kern der Aufgabe ignoriert und sich auf „Nebenschauplätzen“ abarbeitet. Das sind zwei meiner Trigger. Das ärgert mich und regt mich auf.
Der zweite Aspekt ist, dass mich Dinge aufregen, die ich unbewusst als eigene Schwäche wahrnehme, mir aber nicht eingestehe. Das bei sich zu entdecken und sich einzugestehen kostet viel Selbstreflexion. Wer gesteht sich seine Schwächen schon gern ein.

Auch mit Blick auf den Umgang untereinander – besonders in Kirche – halte ich diese Erkenntnis für wichtig. Was da nicht alles Leute auf die Palme bringt: die einen Homosexualität, die anderen lateinische Gottesdienste – die einen lockere Sexualmoral, die anderen die Haltung kein Sex vor der Ehe. Daran entscheiden sich für manche Menschen Freundschaften, da wird in unmöglicher Weise miteinander umgegangen.
Nur um es zu sagen: Ich bin kein Relativist. Ich bin nicht der Meinung, dass jede Meinung gleich ist. Auch ich hab meine Position – mit guten Gründen. Aber meine Position darf nicht zum kleinen Bruder von Hass führen.

„Wie nun das Unkraut aufgesammelt
und im Feuer verbrannt wird,
so wird es auch am Ende der Welt sein: …“

– Matthäusevangelium –

Letztlich stellt sich die Frage:
Wie gehe ich mit Andersdenkenden um?
Wieder wollen sich drei Extreme aufdrängen: ablehnen, indifferent sein oder übernehmen.
Alle drei halte ich für unbrauchbar.
Ob es um Glaube oder anderes geht, ich soll den Anderen als Mensch annehmen, in der Position aber mit Respekt streiten. Ich soll den Sünder lieben, aber nicht die Sünde. Ich soll mit den Menschen gut umgehen, auch wenn ich nicht alle Eigenschaften mag.
Vielleicht lerne ich etwas neues über mich, wenn ich mir diese Haltung angewöhne.