KONFLIKT

Bild: unsplash/Ashkan Forouzani

Harmoniesüchtig.
Kennen Sie den Begriff?
Mir ist er sehr geläufig, denn ich kenne einige Menschen, die diese „Haltung“ oder besser Erwartung haben.

Harmoniesüchtig.
Das klingt aber auch irgendwie absolut.
Als wäre die Sehnsucht nach Harmonier per se etwas schlechtes.
Ist das so?

Harmonie an sich ist gut. Das leuchtet denke ich jedem ein. Ein friedliches Miteinander, dass bereichernd und erfüllend ist, ist eine wunderbare Sache. Aber … auch eine verführerisch einlullende.
Denn es passiert leicht, dass Harmonie in eine falsche Harmonie kippe. Eine Harmonie, die an der Oberfläche bleibt. Sie ist nicht zu verwechseln mit Höflichkeit, die Oberflächlich sein muss, denn sie regelt nur den Umgang miteinander.

Diese Oberflächliche Harmonie ignoriert einfach die realen Konflikte zwischen uns Menschen: Die Missverständnisse, Verletzungen und Nachlässigkeit. „Um des lieben Friedens willen“ werden Probleme unter den Tisch gekehrt. Damit sind sie aber nicht weg.
Sie bleiben bestehen – unter der Oberfläche – und gären vor sich hin. Sie vergiften nach und nach die Beziehungen zwischen den Menschen.
Auf einmal bekommt die vermeintliche Harmonie einen bitteren Beigeschmack.

Diese Erfahrung habe ich selbst in den Jahren meines Lebens gemacht.
Angenehm war das nie und darum versuche ich zu verinnerlichen, dass es notwendig, wenn auch schmerzhaft, ist Konflikte auszutragen und Probleme zu klären.
Ja, das ist unangenehm.
Ja, das ist zeitweise sehr unharmonisch.
Und vor allem: Ja, das braucht Überwindung.
Aber es gibt keine Alternative.
Jede Flasche Harmonie ist eine Fassade, die früher oder später zerbricht.

„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.“ 

– Matthäusevangelium –